KM 0 – 66 : 1 Schmetterling, 2 Rehe, 12 Eidechsen und 24 Hiker

Ich liege im Zelt, erste Nacht on trail, es ist 4 Uhr, Sören schnarcht! Gegen seine Lautstärke bin ich ein Engel. Sören kommt aus Schweden und führt normalerweise Wikingerboote. Am Abend vor dem Start, bei Frodo und Scout im Haus, hat er mir und Eva ein Video gezeigt. Wir sind zu dem Zeitpunkt 24 Hiker, die von Frodo und Scout beherbergt und gefüttert werden. Alles kostenlos. Bis Ende Mai werden in dem Haus der Beiden 900 Hiker ihre letzte Nacht vor der grossen Wanderung verbracht haben. Die beiden lieben den Trail wirklich. Mir gefällt Scouts Peptalk: Schützt den Trail. Ihr seid der Trail! Ihr seid das Aushängeschild! Es soll tatsächlich Hiker geben die Motelzimmer zerstören und die Rechnung nicht bezahlen.

Wir starten Punkt 7:30, bei 2 Grad, volle Sonne. Ich in kurzer Hose und Shirt, Eva lang und Pudelmütze. 24 Hiker ziehen los, nicht die ersten an diesem Morgen und auch nicht die letzten, die PCT Association vergibt 50 Permits pro Tag.

Das Gehen in der Kühle gefällt mir, ich bin bald allein, ab und treffen ich im Schatten Pausierende,  wie später Tabea und Julia aus Braunschweig erzählen hat es knapp 30 Grad, die mich dann aber wieder einholen. Eine Weile geht Mike aus Dresden mit mir. Für den PCT hat er seinen Job als IT’ler gekündigt, er wollte unbedingt hierher, trainiert hat er bereits letztes Jahr in Schweden.  Seine sächsische Aussprache lässt mich an meine Wurzeln denken, ich wurde in Riesa geboren, meine Mom wuchs an der Elbe bei Gohlis auf, trifft sie Freunde aus der Heimat fängt sie sofort an zu sächseln!

Mittags mache ich schlapp, bin total unterzuckert und habe einen Hungerast, ich konnte einfach früh nix essen. Beef Jerkey und M&Ms helfen, eine ganz wunderbare Mischung. Wieder laufe ich allein, ab und an höre ich vor mir Kathy Kate, eine Köchin aus L.A. – ihre Eltern brachten sie mit samt Essen für alle 24 Hiker zu Scout und Frodo, sie kochte für alle – das beste Grilled Sandwich, was ich je hatte. Kathy Kate kann lange über ihren Traum, den PCT, erzählen. Sie träumt ihn seit ihrem 5. Lebensjahr! Dann ein Highlight, ein Reiter überholt mich, auf einem Mustang, wie im Film! Heh looks like a movie? Where is the DOP?  And take me with you – das denke ich nur. Der sehenswerte Typ reitet für eine Charityorganosation zur Rettung der wilden Mustangs…… einen Tag später wird seine Frau als Botschafterin aufs Pferd steigen.

Mir ist heiss, es geht ständig bergauf – wieso schreibt eigentlich keiner wie hart der erste Tag ist? Es folgt mein Hoch des Tages, Meile 12, ein Fluss, als käme er direkt aus der Tiefkühltruhe, eiskalt, meine Füße freuen sich 15 min im Wasser. Habt ihr sie lachen gehört? Eva und Kathy Kate haben am Creek auf mich gewartet, doch ich ziehe vor ihnen langsam weiter, sie werden mich gemeinsam mit Christian eh überholen. Christian hat schon einen Trailnamen. JOLENE. Er trägt dem aus einem Missverständnis heraus entstandenen Namen sehr tapfer. Ich sing den Song jedesmal kurz an wenn ich ihn sehe. Erstes Ziel ist eine kleiner Zeltplatz am Hauser Creek, dorthin ein Horrorabstieg über Steine, aber von weiten sehen die Zelte in der Abendsonne so verlockend aus, dass auch mein Schneckentempo zur Glückseligkeit führt! Es ist 18 Uhr, langer Tag. Beim Aufbau bin ich nicht allein, die letzten Meter ist Eva mit mir gegangen, wir kochen zusammen, Mike ist auch da, sein Zelt steht zwischen unseren, na da soll mal der Bergpuma kommen.

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Tag 2 beginnt sehr früh. Wir müssen 5 Meilen den Berg hoch, wollen bevor es heiss wird in Lake Morena sein. Der Weg ist irgendwie nett zu mir. Ausserdem sind Tabea und Julia an der Seite, haben gerade ihren Master gemacht, werden nach dem Wandern sich vor Schulklassen stellen! In Morena stürzen sich viele auf Burger oder California Burrito. Die Lady in der Grocery schmeisst mit Liebe ihre Pfanne an. Ich trinke ne Snapple Erdbeer und esse Beef Jerky. Ich muss für meinen Sohn die Tüten zählen, der hat mir das Zeug empfohlen.

Dann gehts weiter, es wird sandig, da ich allein bin, kann ich fluchen: ‚Was soll der Scheiß hier? Ich bin doch nicht in Brandenburg, märkischer Sand, oder was?‘ Dann folgt mein Hoch des Tages: Creek unterm Highway 80, Eva und Mike empfangen mich mit Applaus! Ich stehe mit im Fluss und telefoniere mit der Familie auf Hiddensee, Mama hat Geburtstag. Nach und nach treffen die anderen ein. Auch Joe Johnson aus Portland, ebenfalls IT’ler, sehr süß mit Kilt unterwegs! Er nennt Eva, Mike und mich the German group 1. Und Jolene, Tabea und Julia the german group 2. Plötzlich Ur-Geräusche: David aus Vancouver springt in den Fluss, komplett in Sachen. David wird auf dem Trail 60 werden.

Wir ziehen weiter: Sand, kalifornische Kiefern – ich sags ja, Brandenburg! Dann wieder ein Fluss, der Boulder Creek. Schlussendlich baden wir alle in diesem am Ende des Tages, da wir auf dem Campground in der Nähe bleiben nach20 km! Herrlich wie alle am langen Tisch sitzen, David möchte von uns kein Essen, er hat noch 2 Kilo Nüsse, die sollen bis morgen alle werden …. in Mt. Laguna gibts wieder ne Grocery!

Minus 2 Grad kurz vor 5 am 3. Tag, 12.4. Mein BH hing draussen, er ist gefroren! Die Hände erfrieren beim Zeltabbau, aber wir wollen um 6 starten, müssen heute 19 km nur bergan und dann noch vier bis Mt. Laguna hiken. Nach heissen Haferflocken, mein Sohn hasst sie, gehts los, der Himmel schimmert. 2 h später hat es 20 Grad, Eva wie immer vorn weg, ich gehe mit Julia und Tabea, sie erzählen von ihren ersten Schulerfahrungen in der Probezeit, Julia war in Neukölln, als in ihrer Klasse ein Schüler ein Messer zog liefen ihr die Tränen runter. Das Studium bereitet einen darauf nicht vor. Wir laufen hoch über einem langen Tal, unten rauscht ein Fluss, gleich kommt Winnetou vorbei. Es wird heißer und heißer. Ich erzähle Storys und lenke uns alle ab. Manchmal schimpfen wir, nach jeder Kurve wieder ein Berg. Nach 5h erste Pause und die Mädels essen irgendwas mit Thunfisch und so ein Fladen und Mayo. Ich kann gar nicht hinschauen. Kurz treffen wir Eva, sie hikt aber schnell weiter mit Mike und Joe Johnson, den ich später am Abend liebe weil er ein Campfire macht! Wir stöhnen und schwitzen, sind langsam, feiern nach 9 h einen kalten Fluss und haben es dann noch 3 Stunden! Eva ist die Heldin, sie rennt noch zum Store, so habe ich ein warmes Essen! Der Trail ist krass, die Landschaft unfassbar still und fremd und anders! Mein Hoch des Tages: eine heiße Dusche. Immer und immer wieder werfe ich einen Coin nach! Jetzt sind alle laut am Feuer aber ein paar Mitstreiter haben wir aber heute hinter uns gelassen!

Hier unsere Eindrücke der ersten Tage:

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2 Gedanken zu “KM 0 – 66 : 1 Schmetterling, 2 Rehe, 12 Eidechsen und 24 Hiker

  1. Sehr schön…es geht weiter. Uns sächseln könnt ich auch, viel Grüße aus der Nähe von Chemnitz 🙂

    Muss man eigentlich für dieses Abenteuer zwingend „fliessend“ Englisch sprechen?

    Bert

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