About

Jac B

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Quick Facts:

  • Jahrgang 1966
  • hat einen Sohn (der diese Seite baut)
  • arbeitet als Executive Producer bei einer TV-Produktionsfirma

2009 war ich das erste Mal auf dem PCT. Aber das habe ich gar nicht gemerkt. Mama und Sohn wanderten als Tagestouristen – im Schnee – im Yosemite National Park. Der SUV wartete derweil mit all unserem Gepäck und Essen auf dem Parkplatz direkt vor unserem Hotel (Das ehrwürdige Wawona, 1876 erbaut, ein historisches Wahrzeichen im Park, abends Wein am Kamin mit vorzüglicher Käseplatte ist zu empfehlen.) und ich fragte mich die ganze Zeit, ob die Bären unserem Wagen wegen des Inhalts interessant finden könnten. Davon hatte ich schon in der Nacht zuvor geträumt, sie stürmen unser Hotelzimmer über die offene Terrasse. Mein Sohn amüsierte sich – ja klar Mama wegen meiner Cornflakes klopft der Bär an unserer Tür.

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2012 war ich erneut auf dem PCT. Aber auch das habe ich gar nicht gemerkt. Ich hatte San Diego und meinen Sohn für ein paar Tage verlassen, für einen Trip nach Palm Springs (ohne Verabredung mit Barbra Streisand),  um Architektur zu schauen, am Pool zu liegen, zu  lesen, nicht zu reden. Es war mehr als heiß. Von Palm Springs führt die längste Drehseilbahn der Welt direkt zum Mount San Jacinto. Ein reicher Amerikaner soll in den frühen 60er im heissen Palm Springs stöhnend über die Hitze  gesessen und nach oben geschaut haben, als ihm die Frage kam: Warum nicht schnell mal da hoch, dort gibt es frische Bergluft. Nicht lange Zeit später gondelten die ersten Ausflügler von der in 800 Meter Höhe gelegenen Talstation direkt auf fast 2600 Meter. Als ich in die Gondel stieg hatte es 40 Grad. Der Tip, für oben eine Jacke mitzunehmen, war gut. 16 Grad. Und plötzlich wanderte ich nichtsahnend auf dem PCT.

2015 kreuzte ich erneut den PCT. Und ich wußte es. Ich war im Six Rivers National Forest unterwegs, ein straffer Tagesmarsch. Der PCT streift den alten Wald kurz bevor er sich nach Oregon windet. Am Wegesrand stand ein Box mit eiisgekühlten Colaflaschen, auf der Box stand: Nur für PCT Thruhiker. Respektvoll habe ich die kalten Drinks gelassen, wo sie waren und weiter mein warmes Wasser getrunken. Nach dem Roadtrip 2015 durch Washington, Oregon und Kalifornien traf ich mich mit meiner Freundin Jenny im Prenzlauer Berg, im Sorci e Morci, ich war etwas spät dran, sie wartete lesend mit dem Buch von Cheryl über ihre Wanderung auf dem PCT 1995.  Vielleicht wurde in diesem Augenblick die Idee geboren, diesen Weg dann nun endlich ganz bewußt anzugehen.

Ein Jahr später dann mein runder Geburtstag, große Party in meiner Bar, Saphire Bar im Prenzlauer Berg. Mein Sohn hatte u.a. ein Kreuzworträtsel organisiert, das Lösungswort: Pazifischer Gipfelweg. Es wußten jetzt auch Familie, die engsten Freunde und Kollegen, dass es mich forttrieb. In seiner Rede gab Ole ein paar Überlebenstipps, von anderen Wanderern, erfahren oder auch nicht. So erzählte er die Geschichte des Naturforschers Gary Paulsen, der 1954 auf dem PCT wanderte. Der Weg war damals noch nicht gut ausgeschildert und so verlor er sich schnell in der nordamerikanischen Wildnis. Paulsen überlebte nur, weil er einen Jagdbogen aus einem Ast und einem Seil baute. Mein Sohn schlug vor dies vielleicht dann doch vorher im Volkspark Friedrichshain zu proben. Einen Bogen bauen, klar! Aber Bambi oder Klopfer dann häuten, zerlegen, aufspießen und anzünden?

Dann erzählte mein Sohn die Geschichte des jungen Texaner Walt Suter, der auf dem AT unterwegs war, als er morgens noch entspannt ein Unwetter in der Ferne beobachtete, um Minuten später selbst von einem Tornado aus dem Zelt, natürlich in Unterhose, gerissen zu werden. Er landete 450 Meter weiter von seinem Zeltplatz auf einer Wiese. Nur mit ein paar Kratzern versehen. Auf die Frage hin, wie er diesen Flug denn bitte habe überstehen können, antwortete er: „I kinda just tried to enjoy the flight.“ Hm, naja das hilft ja vielleicht.

Und dann gab es da noch die Story vom Pfadfinder Myke Hawke, dem übel mitgespielt wurde. Seine Pfadfindergruppe hatte sich heimlich morgens davon geschlichen, ohne zu bedenken, dass Hawke nicht den besten Orientierungssinn hatte. Er verlief sich für fast drei Wochen in den Wäldern des Sequoia Parks und ernährte sich dabei fast ausschließlich von Beeren. Als man ihn fand erklärte er wie er die giftigen von den essbaren Beeren hatte unterscheiden können: „White and yellow, kill a fellow. Purple and blue good for you. Red … could be good, could be dead. Okay hier habe ich noch Nachholebedarf.

Am Ende der großen Feier war der Traum vom PCT noch größer und ein Rucksack gefüllt mit Scheinen für die Ausrüstung. Allen nochmals lieben Dank.

Und jetzt haben wir Februar 2017, in sechs Wochen geht es mit Eva los, nach San Diego.

Unfassbar wie leicht man hier daheim seinen Hausstand zusammenpackt, die Wohnung vermietet, sich von allen Prime-Mitgliedschaften und Accounts wie Netflix und Maxdome verabschiedet, stilllegt, was man stilllegen kann – und jede freie Minute GEHT und Freunde trifft. Die Vorfreude ist wunderbar. Und sie noch mit Eva zu teilen perfekt. Ich war noch nie so viele Stunden in Geschäften wie jetzt in Outdoorshops. Auch mit Valesca, sie wird mit Hilmar auch den PCT wandern. Schauen wir, ob wir vieles richtig angegangen sind.

Jetzt soll es erst mal losgehen. Nach 27 Jahren Job, mit vielen vielen 100 – h – Wochen freue ich mich auf eine ganze andere Zeit.