#1 Der erste Test – Kalte Knie & Vollmond

So!

Gut,meine Deutschlehrerin Frau Römer hat immer gepredigt, mit SO fängt man nicht an. Punkt 8 Uhr am 11.3. hoch, mal wieder in der Wohnung gewirbelt, erster Frühjahrsputz. Dann Quinoa gekocht und Brokoli, Rucksack gepackt, Wasser aufgefüllt und los, mit NUR 7,8 Kilo Gepäck, in Sachen PCT noch Vorstufe. Mit Tram 10 und Tram 21 zum S-Bahnhof Schöneweide. In der Bahn erste Blicke auf meine kurze Hose, draussen 9 Grad aber Sonne. Ich falle auf, sicher weil Beine noch etwas käsig, dann der große Rucksack und die Wanderstöcke. Wo will die denn hin? Der Rennsteig scheint weit, ist auch so. Am Bahnhof stiefle ich direkt Richtung Köpenick los. Die Strecke ist am Anfang eher öde, kenne ich schon, bin sie mit Eva schon ein paar mal gelaufen, als wir für den Mammutmarsch 2016 trainiert haben. Ab dem Köpenicker Becken wirds besser, die Altstadt, schnell am Allende-Viertel vorbei und dann rein in den Wald. Schnell bin ich nicht, es läuft aber gut, den Rucksack spüre ich kaum, über das Gewicht „mehr“ dann später, denke ich nicht nach.

Nach 2,5 Stunden erste Pause, eine Bank vor der Ausflugsgaststätte Rübezahl. Kinder toben rum, fangen den ersten Sonnenschein ein, dürfen sicher zum ersten Mal wieder mit dem Rad rumdüsen und Tore schiessen, viele Leute sitzen bei Bier und Weinchen in der Sonne, manche auch mit Kaffe und Kuchen mit Schlag.

Eine Oma neben mir auf der Bank hat ihr altes Brot ordentlich in Würfel geschnitten und füttert die Enten. Sie fragt, was ich vorhabe mit meinem Gepäck und ob meine Knie nicht kalt sind. Sind sie, aber geht und ich laufe zu meinen Eltern, habe aber wie Rotkäppchen nicht Wein und Kuchen dabei. Das findet die alte Dame schade aber toll, wenn man seine Eltern besucht. Es geht weiter, der Wind frischt auf, ich hole meine schöne grüne Mütze raus, ein Lieblingsstück, sie wiegt leider über 100 g, habe auch leichtere im Schrank daheim, aber sie hat es ins PCT-Gepäck geschafft, Lieblingsstücke müssen mit, haben andere PCTler mir beigebracht. Am Ende vom großen Müggelsee wird es ruihiger auf dem Weg, nur noch ein paar Radfahrer. Ich bin auch spät dran. Nach 5h und 10 Minuten erreiche ich das Bootshaus meiner Eltern. 19, 2 km. Mama bietet gleich Pfefferminztee an, aber ich muss erst ans Wasser und das Zelt aufbauen, bevor es zu dunkel wird. Der Aufbau passiert unter den strengen Augen meines Vaters, dem alten Camper.

Wir waren früher oft zelten. Trabi vollgepackt, meine Schwester und ich mussten auf den Schlafsäcken sitzen, zu klein das Auto. So gings jedes Jahr an die Ostsee, von Korswandt bis Ahlbeck oder auf Rügen. Wenn ich daran denke, denke ich immer an feuchte Schlafsäcke, verregnete Sommer und wie wir abends im Vorzelt der Eltern saßen und unsere Füsse am Wasserkessel mit heißem Wasser, der unterm Campingtisch stand, wärmten. Natürlich ist mein Vater mit dem Aufbau nicht zufrieden, zu viele Falten, Wassersäule besser aufbauen (Was meint er?) und immer die Heringe zählen! Also wenn Du Dein Zelt zusammenpackst, Tochter, müssen es 12 Heringe sein, merke Dir das! JA!!! Dann gehen wir erst mal rein, zu Mamas Eiersalat und Bouletten. Ich habe leider meine Katusche vergessen, Quinoa und Brokoli kommen wieder mit heim. Es klart auf und der Vollmond zeigt sich.

Dazu der Fuchs, meine Eltern haben ihn Petra getauft, der kommt jeden Abend pünktlich um 8 und wird gefüttert. Na hoffentlich interessiert er sich nicht für mein Zelt. Um 22 Uhr krieche ins kalte Loch, mit Merino-Lang-Zeug, Daunenjacke und Mütze! Ich schlafe bis 4, dann gehe ich ins Haus, im Mondenschein überall Reif zu sehen, das Zelt außen richtig nass. Das trocknet dann Stunden später auf meiner Terrasse in der Stadt – die Eltern bringen mich. Am 3.4. will ich nochmal zu ihnen laufen, dann vom Treptower Park aus, 24 km.

4 Gedanken zu “#1 Der erste Test – Kalte Knie & Vollmond

  1. Hallo Jaqueline!
    Habe Deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen. Du kennst mich von Facebook – ich starte auch in diesem Jahr und habe meine Probenacht noch vor mir. Vielleicht laufe ich auch zu meiner Mutter, mal sehen 🙂
    Hoffentlich ist es da nicht ganz so kalt wie bei Dir!!! Geschmunzelt habe ich über Deinen Vater, mein Verkaufsberater hat mir dasselbe eingeschworen: „Immer die Heringe zählen! Es müssen immer acht sein!!!“
    Ja, die Falten… die vergehen mit der Zeit – wir werden sicher Profis mit unseren Zelten, lass uns mal ein paar Nächte hinter uns haben, gell?
    Liebe Grüße
    Karin

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  2. hoffe , das es auf dem PCT nachts nicht kälter als -3 Grd. wird. Denn da gibt es dann kein Bootshaus -Ausweichbett 😉.
    Bin sehr stolz auf meine sister. FEAE.

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